Beim HSV liegen die Nerven blank. Nach der Partie gegen Wolfsburg vor anderthalb Wochen rechnete Trainer Thorsten Fink mit Nachwuchsspieler Muhamed Besic ab. Dabei ging er dem 19-Jährigen an den Kragen und strafte ihn mit einer Verbannung in die Regionalliga-Elf ab.
„Ich verstehe überhaupt nicht, wo das Problem lag. Ich habe vor dem Training dem Konditionstrainer gesagt, dass ich umgeknickt bin und nicht richtig auftreten kann“, sagte Besic zu den Fußballnachrichten der „Sport Bild“ und fügte an: „Dann bin ich in der Gruppe ganz hinten gelaufen. Mit einem Mal werde ich danach in der Kabine vom Trainer vor versammelter Mannschaft angepackt. Das muss ein Missverständnis von ihm gewesen sein.“
Inzwischen täte es ihm leid, den Trainer daraufhin angeschrien zu haben: „Ich reagiere sehr emotional, wenn ich angefasst werde. Ich mag es auch nicht, wenn man mich anschreit. Es gilt bei Bosniern als äußerst respektlos, wenn man einen anderen anfasst.“ Zwar habe ihn Fink nicht stark angepackt, dennoch hätte Besic sich angegriffen gefühlt und daher emotional reagiert. Trotz des Eklats zeigte der 19-Jährige jedoch Verständnis für seinen Coach: „Ich habe aber auch Verständnis für seine Situation. Er ist ein herausragender Trainer, der sich nun dem Abstiegskampf stellen muss.“
Auch wenn er nach dem Vorfall inzwischen nicht mehr sauer auf seinen Trainer ist, zeigte sich Besic enttäuscht von seiner derzeitigen Situation: „Ich bin auch nicht sauer auf ihn, ich bin sauer, weil ich monatelang dem Verein und den Leuten dort vertraut habe und von vielen enttäuscht worden bin.“ Einsichtig hatte sich der Bosnier inzwischen gezeigt und sich sowohl bei Trainer, als auch der gesamten Mannschaft für seinen Verbal-Ausraster entschuldigt.
Dennoch scheinen die Wogen noch nicht gänzlich geglättet. Besic störe sich vor allem daran, dass er mit ihm „ausgerechnet das schwächste Glied ausgesucht hat.“ Und in der Tat scheint es etwas übertrieben, nach der wie in den Bundesliga Quoten prognostizierten 1:2-Pleite bei den „Wölfen“ die Schuld bei einem 19-jährigen Ersatzspieler zu suchen.
Trotz der Aussöhnung wird Besic, dessen Vertrag an der Elbe bis 2013 läuft, weiterhin bei den Amateuren spielen. Bei der zweiten Mannschaft soll der Bosnier inzwischen übrigens erneut angeeckt haben. So soll er Trainer Rodolfo Cardoso gesagt haben, dass ihn das Training mit der Regionalmannschaft runterziehe.

