Grundsätzlich schaue ich morgens auf dem Weg zum Zug nirgendwo hin, so im Auto. Ich fahre einfach vegetierend durch die Gegend und freue mich, einmal frisch geduscht zu riechen. Ich weiß natürlich von vorn herein genau, dass dieser Geruch spätestens auf den nur noch für Blinde und Vollpfeifen sauber wirkenden Sitzen im RegionalExpress Richtung Metropole genauso schnell verschwinden wird, wie er bei der morgendlichen Dusche gekommen ist. Das Einzige.. Und wirklich das Einzige, das mich morgens in den Wahnsinn treibt sind Omas.
Straßenkreuzende Omas. Wie Lastwagen schieben sich eben jene mit genau 2 Kilometern pro Stunde über jede Straße auf der ich fahre. Ist ja auch logisch, wenn man in dem Alter ist, in dem man ohnehin nur noch über Verdauung redet kann man auch gleich um 8 Uhr morgens aufstehen um den Stuhlgang beim Einkaufen auf Hochtouren zu bringen.
Aber: Zurück zu meinem eigentlichen Thema:
Die Oma auf der Straße, kaum sehend. Ich an der roten Ampel im Auto. Ich sitze also da, Puls um die 180 und schaue mir die Ampel an. Warum haben die neuen Ampeln eigentlich alle diese weißen Streifen auf dem Boden? Aha, hmhm, also für die Blinden. Die können dann problemlos an die Ampel laufen und sehen, wo die Straße anfängt. Danke, Kommune. Danke. Behindertengerechte Städteplanung ist ja auch wichtig. BlaBlaBla! Hat sich eigentlich JEMALS auch nur ein Mensch bei der Stadt die Gedanken gemacht, die ich mir in fünf Minuten auf dem Weg zum Zug mache?!
Wie sollen die Blinden die Ampeln finden?
Warum haben die an der Ampel Blindenstreifen, wenn der Blinde die Ampel gar nicht findet, hat ja sonst keine Streifen. Schafft er jedoch den 800m weiten Weg bis zu den rettenden weißen Streifen kann er sich fühlen wie Hans im Glück. Ach, nein, er steht ja doch nur an der Ampel und… Kann sie nicht nutzen, die Ampeln in den kleinen Kommunen piepsen nämlich noch nicht mit dem urban anmutenden „dödödödöd“, bei dem alle loslaufen können.

Nein. Wir auf dem Land, wir bauen den Blinden einfach eine Ampel, die sie weder sehen noch hören, ja, eine, die sie nicht mal finden und kleiden die dann mit Blindenstreifen aus, damit der Blinde, wenn er schon mal im Kreis läuft, wenigstens was zu entdecken hat! Na gut, man muss das ja auch positiv sehen. Wenn langfristig gedacht in 70 Jahren alle Bürgersteige blindengerecht sind, dann finden auch die fast blinden Omas alle Ampeln. Und die Blinden sowieso.
Auch bei mir hat Oma die andere Straßenseite gefunden. Ihr Glück, es wird gerade grün, einen Blinden habe ich zwar immer noch nicht an einer Ampel gesehen, dafür bin ich wieder um eine Erkenntnis reicher geworden, nämlich warum ich noch nie Blinde an unseren Fußgängerampeln gesehen habe.


