Schon wieder Freitag. Vor einer Woche habe ich mit der Bloggerei begonnen und es macht immer noch Spaß. Muss aber noch etwas tiefer in die Materie einsteigen. Mich mal bei einer Community anmelden oder selbst eine aufmachen. Schau mer mal.
Heute sitzt mir ein junger Mann auf meinem geliebten 3-er Sitz schräg gegenüber. Er ist komplett in schwarz bzw. anthrazit gekleidet. Das Ganze sehr geschmackvoll. Schwarzer ¾ langer Wollmantel und eine dunkle Wollweste unten drunter. Der Reißverschluss der Weste ist leider bis oben zugezogen, so kann ich nicht erkennen, ob das Hemd, das er bestimmt darunter versteckt hat, auch farblich dazu passt…. Die gut geputzten schwarzen Halbschuhe passen jedenfalls. Sogar der Rucksack, den er brav auf seinem Schoß quer gelagert hat, passt zum Rest. Er ist auch schwarz, hat aber an den unteren seitlichen Rändern und im oberen Mittelteil dunkelorange Einlässe. Natürlich tippt er auf seinem Handy herum. Ich glaube nicht, dass er eine SMS schreibt. Dafür macht er das schon zu lange. Vielleicht schreibt er ja ne Email damit oder auch sehr naheliegend, er spielt damit, haha.
Was jetzt aber nicht so ganz zu dem eleganten, schwarzen Klamotten passt, ist die Haarfarbe. Die sehr kurz geschnittenen Haare haben die Farbe rot bzw. eher ins orange gehend. Der Hammer sind zwei kleine, mit Haargel künstlich aufgezwirbelten Hörnchen! Das gibt dem Ganzen schon etwas diabolisches.
Er tippt immer noch ins Handy.
Gerade kam eine sehr professionelle Durchsage mit weiblicher, leicht näselnder Stimme. Die Stimme würde auch gut in ein gut geführtes Kaufhaus passen, wo ständig neben der säuselnden Hintergrundmusik die Angebote des Tages durchgegeben werden.
Beim Zugfahren gibt es leider nichts zu kaufen. Wie schön wäre es doch, wenn jetzt ein Zugkellner vorbei käme und frischen Kaffee und Tee feilbieten würde. Der hätte es freilich sehr schwer. Erstens sind die Pendlerzüge morgens sehr überfüllt und zweitens hätte er Probleme bei den Doppelstockwaggons seinen Kaffeewagen die vielen Treppen rauf und runter zu zerren. Es wäre aber ne innovative Idee, in jedem Waggon am Eingang nen Kaffeeautomaten einzubauen, haha. Man stelle sich vor, welch hübsche Sauerei es gäbe, wenn ein Kaffee nach dem Anderen aus dem Automat fließt und irgendwann die Becher alle sind. Ein schwarzbrauner Kaffeesee würde sich über den Boden ausbreiten und jeder der noch keinen Sitzplatz ergattert hat würde versuchen dem Kaffeesee auszuweichen…..
Genug der wirren Phantasien. Es reicht einem ja schon, dass jeder Zweite morgens einen Kaffee to go im Händchen hält. Die Müllkörbe der Bahnhöfe sind voller „to go“ Becher. Was haben wird eigentlich früher getan? Ich glaube, das hat man Thermoskannen benutzt. Ein Banker freilich nicht, der hatte ja eine Sekretärin, die ihm morgens den Kaffee gefiltert hat. Nein, das war eher den Arbeitern auf dem Bau oder oder in der Fabrik vorbehalten. Hatte also einen faden Beigeschmack. Heute ist es aber hipp so nen Pappbecher herum zutragen und alle Kaffeearten der Welt zu genießen. Ich gebe ja zu, dass ich das auch hin und wieder mache. So ein Becher vom delikaten Starbucks ist schon ein Traum. Leider viel zu teuer. Von dem Preis eines normalen Bechers Sturbucks kann man sich schon ein ganzes Pfund Kaffee im nächsten Supermarkt kaufen und nicht den schlechtesten.
Diabolisches und "To Go"
Die Fahrt vom 20. Januar 2009
Uuuuuaaaahhhh, heute ist erst mal gar kein guter Tag, der Wecker klingelte viel zu früh und ich hätte fast verschlafen. Duschen, Frühstück machen, ne Tasse Kaffee ansaugen und schon musste ich einen Zug später fahren. Ist aber alles noch im Limit. Der nächstmögliche Regionalexpress kam pünktlich und ich habe einen netten Platz im Doppelstockzug. Das Ablagebrett rechts neben mir stört mich etwas, weil ich den Laptop etwas schräg auf die Oberschenkel positionieren muss. Wenn sich jetzt gleich jemand in Gelnhausen neben mich setzten will, werde ich das elektronische Schreibgerät wohl gleich zuklappen müssen. Bis jetzt sieht es gut aus. Jetzt nicht mehr. Und tschüß.
Es hatte sich ein Mann neben mich gesetzt und sogleich seine Financial Times
auseinander gefaltet. Ich packte mein Notebook wieder zusammen und sagte dem Finanzmensch neben mir, dass es gleich vorüber sei. Es war nur ein kurzes Zucken in seinem Mundwinkel zu entdecken. Für ein Lächeln oder gar ein Wort war es wohl noch zu früh?!
Ich hätte ja gerne weiter geschrieben, wo doch ein unendlich dicker Mensch gegenüber saß. Vielleicht gut, dass ich eingepackt hatte und dies jetzt erst in der Mittagspause aus dem Gedächtnis nachtrage. Der Dicke hat schon genug zu tragen, da werde ich nichts weiter mehr dazu schreiben. Vielleicht das er Glück hatte nicht für 2 Plätze bezahlen zu müssen. Die hatte er nämlich alleine belegt.
Heute ist ja auch die Amtseinführung von Barack Obama. Bin mal gespannt, ob da alles gut abläuft. Er hat schon ziemlich viele gute Ideen. Hoffentlich gelingt ihm das Eine oder Andere, dann würde es der Welt besser gehen. Besonders auf den Klimaschutz bin ich mal voller Erwartungshaltung. Bislang haben sich die Amis da ja fein raus gehalten.
Bin wieder auf der Heimfahrt. Die Amtseinführung von Herrn Obama dürfte jetzt unmittelbar bevorstehen.
Heute habe ich es endlich geschafft, mich in den Hotspot einzuloggen. Konnte sogar eine Testmail losschicken. Dies aber nur am Rande.
Das Abteil des Doppelstockwagons ist heute frisch gereinigt worden. Um die Füße der Sitze sind noch klein Pfützen sichtbar. Das Restwasser dürfte bei der Hitze, die schon wieder im Zug herrscht, schnell verdunstet sein.
Ich habe den Einzelplatz, eigentlich für Körperbehinderte vorgesehen, ergattert. So habe ich genügend Platz.
Mir gegenüber sind ein Fahrgast, der sich auf den Sitz zum Gang hin niedergelassen hat. Dort sitze ich eigentlich auch gerne, weil man da die größte Beinfreiheit hat. Das nutzt er auch zur Gänze aus. Obendrein hat er seine Tasche und Jacke auf den freien Sitz neben sich gestapelt. Das finde ich nicht in Ordnung. Falls jemand zu steigt, ist dieser genötigt zu Fragen: „Ist der Platz noch frei?“. Danach geht es genervtes zusammenpacken los. Das ist leicht zu vermeiden, wenn man seine Sachen eben nicht auf freie Plätze legt, wenn zu erwarten ist, dass der Zug voll wird. Ich mache mir manchmal den Spaß erst recht nach solch einem Platz zu fragen. Aha, jetzt geht es los. Der gepäckbelegte Platz wird dreist eingefordert. Richtig so. Eine freundliche junge Frau nimmt den Platz ein.
Ebenso unsinnig finde ich es, wenn Menschen sich bei den Zweiersitzen auf den äußern setzen und den Fensterplatz frei lassen. Wird dieser Platz nun eingefordert, muss der Andere sogar aufstehen um den Zugang zum Fensterplatz frei zu machen. So was hält den Betrieb nur auf.
Die nette junge Frau, die mir gegenüber sitzt liest in einem grünen Buch. Es heißt „Grabesgrün“???? Aha, deshalb ist der Umschlag wohl auch grün. Mir ist die nette junge Frau jetzt gar nicht mehr so grün. Es fröstelt mich gar ein wenig.
Die künstlichen Fingernägel, die weiße und bläuliche Schattierungen haben, wollen so gar nicht zum grünen Buch passen. Auch so eine Mode, mit der ich mich nicht anfreunden kann.
Frauen, die sich solche künstlichen , eleganten Fingernägel für viel Geld ankleben lassen, werden nie eine Arbeit im Garten übernehmen wollen. Eventuell sind sie ja bereit, Gartenhandschuhe anzuziehen, die freilich schnell durch die Langen Nägel ihren Geist aufgeben werden…..
Bin halt ein etwas altmodischer oder ich sage immer „klassischer“ Kerl.
Mittlerweile haben wir Hanau schon verlassen und es sind so viele Fahrgäste dazu gestiegen, dass sogar einige stehen müssen. Da bin ich schon froh, dass ich immer im Frankfurter Hauptbahnhof einsteigen kann, da sind immer noch ausreichend Plätze frei.
So, jetzt übermannt mich doch die Müdigkeit und packe das Notebook mal schnell weg. Noch 10 Minuten ein kleines Nickerchen. Ciao
Ein Freitag fängt mit einer Verspätung an
Es ist Freitag und der Zug hat mal wieder 12 Minuten Verspätung. Leises Murmeln macht sich am Bahnsteig breit.
12 Minuten sind eindeutig zu lange, weil der nächste Zug 14 Minuten später fahren soll. Das wird er heute aber nicht tun. Hier wird eine Verspätung von ca. 20 Minuten prognostiziert. Das anstehende Wochenende fängt ja prima an, grins So ist klar, dass die Pendler, die mit dem nächsten Zug fahren möchten sich freilich auch noch in den verspäteten Zug quetschen werden. Es wird wohl sehr gemütlich.
An einen Sitzplatz ist nicht zu denken. Der Zug ist schon sehr voll. Also heißt es stehen bis Hanau.
Kurz vor Gelnhausen kommt dann die Durchsage: „Nächster Halt Gelnhausen“…. Wieso? Dieser Zug hält nicht in Gelnhausen, er sollte erst wieder in Hanau zum Stehen kommen. Die Bahn hat hier wohl flexibel reagiert und stopft noch mehr Pendler in den Zug.
Wenigstens hält er nicht in Langenselbold. Immerhin.
Ich hatte noch etwas Glück im Unglück, dass ich mich in ein Abteil gestellt habe und nicht im Eingangsbereich verharrte. In Hanau werden nämlich ne Menge Sitzplätze frei und ich kann diese Notizen machen.
In solchen Verspätungssituationen ist klar, dass sich kein Zugbegleiter blicken lassen wird. Die Schaffner, die es ja nicht mehr gibt, hätten sich das früher nicht nehmen lassen, haha.
So, gleich wird das Fahrziel, der Hauptbahnhof Frankfurt am Main erreicht und ich darf mich für 7 Stunden hinter meinen Schreibtisch hocken. 7 Stunden deshalb, weil ich seit 1. Januar meine Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden reduziert habe. Mein Sohn ist nämlich bei mir eingezogen. Davon vielleicht später mal mehr….
So, ich muss einpacken.
So, es geht weiter, bzw. zurück. Es ist endlich Freitag 15:26 Uhr und der Regionalexpress, der mich ins Wochenende bringen soll, ist fast pünktlich losgefahren. Der Schaffner, sorry, Zugbegleiter, ist auch schon mit seiner Kontrolle vorbeigekommen. So werde ich zumindest von weiteren Störungen verschont.
Ja und schon sind wir in Frankfurt Süd angekommen. Vielleicht steigt „verwertbares“ hinzu? Mmhh, sieht nicht so aus. Rechts vor mir auf dem Einzelplatz, der für Körperbehinderte vorgesehen ist, sitzt ein junges Ding mit der obligatorischen Douglas Edeltüte. Sie hat sie artig auf das Ablagebrettchen gestellt, damit ja bloß alle die feine Tasche sehen und ihre Rückschlüsse auf die Besitzerin ziehen. Sonstige oder eigentliche Labels kann ich nicht erkennen. NoName Jeans und NoName Sportschuhe. Die braune Jacke erst recht, grins.
Was ich ja mal riesig finden würde wäre, wenn der Zugbegleiter seine nächste Durchsage macht, mal was originelles zu hören. Vielleicht – ich wünsche allen Fahrgästen ein prächtiges Wochenende und eine gute Erholung. Wir sehen uns am Montag in alter Frische wieder. Oder – Sie haben es geschafft, es ist Wochenende, ob Sie es verdient haben, wissen nur Sie selbst, haha -
Es gibt aber wahrscheinlich strenge Regeln, die die Herren und Damen Zugbegleiter strikt einhalten müssen….
Jetzt hat sich doch in Offenbach eine junge Frau sich neben mich gesetzt. Sie liest das Zeitmagazin. Immerhin. Ich schreibe hier dummes Zeug und neben mir sitzt jemand mit einer hoch geistigen Broschüre, lach.
Da, jetzt kommt die Durchsage. Bislang nur die üblichen weiteren Zugverbindungen. Kommt es noch???? Ne, natürlich nicht. Schade.
Tja, bevor es zu langweilig wird, schließe ich hier mal. Mal schauen was es am Montag zu berichten gibt.
Allen da draußen wünsche ich ein prächtiges Wochenende.
Mutter ruft auf Handy an
Heute morgen stieg ich wie jeden Werktag der Woche um 6:34 in den Zug nach Frankfurt am Main. Am Bahnsteig sieht man derzeit wenig, weil es um diese Uhrzeit noch dunkel ist. Sobald sich das Frühjahr aber nähert, werde ich feststellen, dass es die gleichen Menschen sind wie letztes Jahr oder das Jahr davor. Freilich verändert sich die Zusammensetzung am Bahnsteig. Die Rentner bleiben zu Hause und die Berufseinsteiger kommen hinzu. Das bleibt aber alles sehr überschaubar .
Der Regionalexpress kommt heute mal wieder sehr pünktlich und ich muss nicht lange am Bahnsteig im alten Schnee ausharren.
Als ich in den alten Zug einsteige, es ist also kein neumodischer Doppelstockzug, sitzt gleich links nach der Schiebetür eine Urlauberin. Es ist gleich zu erkennen. Sie hat das 4er Segment komplett alleine belegt. Im kleinen Gang steht ein monströser Koffer, ein zweiter, etwas kleiner, lagert auf der Gepäckablage. Neben sich hatte die Dame noch eine weitere große Tasche abgestellt. Sie gehört wohl zu dem Koffer auf der Gepäckablage, hat das gleiche Design.
Etwas Platz muss sie aber gleich machen, weil sich eine Pendlerin gegenüber den Platz sichert, haha. Nichts da mit dem 4er Abteil alleine.
Ich setze mich in die nächste Reihe auf die gegenüberliegende Reihe auf einen freien Platz.
Die restlichen Reisenden bzw. Pendler sind wie immer. Sie schlafen, lesen oder tippen auf Laptops oder Handys ein. Nach ca. 10 Minuten kommt aber Leben in das Abteil. Das rote Handy der Urlauberin klingelt. Nervös klappt sie es auf und hat wohl schon auf dem Display eindeutig erkannt, dass es ihre Mutter ist. Mit dem ersten Wort war klar, dass es eine Dame aus dem Rheinland ist. Der Slang ist eindeutig: “Mama, was is denn? Nein, so eine Scheiße! Was machen wir jetzt? Das gibt es doch nicht! Rufe sofort den Bernd an, hörst du. Du musst sofort den Bernd anrufen. Er muss es dir sofort vorbeibringen…… Ich muß es kurz machen, mein Accu ist schwach. Ruf mich wieder an, wenn der Bernd da war. Tschüß.”
Die Frau fasst sich mit beiden Händen verzweifelt vors Gesicht und stöhnt laut. Das Gespräch gerade hat der ganze Wagon mit bekommen, in solch einer Lautstärke wurde es geführt. Die Verzweiflungslaute bekommt noch die Hälfte des Abteils mit. Sie scheint wirklich sehr bestürzt zu sein. Da freut man sich auf nen feinen Urlaub und dann kommt morgens am Beginn der Reise so ein garstiger Anruf. Ich schätze, die Dame aus dem Rheinland will sich mit ihrer Mutter irgendwo treffen, um mit ihr gemeinsam einen Urlaub zu verleben. Da ich die Dame auf Ende 40 schätze, wird die Mutter wohl keine allzu witzige Bereicherung werden.
Der Grund des Anrufes muss ein wichtiges Dokument sein, dass der Mutter fehlte oder das sie nicht gefunden hat…. wer weis?
Die Pendler um mich herum versuchen weiter zu schlafen oder weiter auf Zeug rum zu tippen. Solche Störungen braucht morgens wirklich kein Pendler. Der Pendler mag sein Ruhe und Gleichmäßigkeit. Mich hat die Sache aber etwas wacher gemacht und ich beobachtete die Dame weiter.
Nachdem das Handygespräch vorbei war, tippte sie sofort auf ihrem roten Handy herum. Ich nehme an, sie suchte bekannte Telefonnummern, um Hilfe zu erbitten….. Keine Ahnung. Jedenfalls fragte sie plötzllich die Pendler auf der gegenüberliegenden Seite nach der Uhrzeit. Doofe Kuh, wo sie doch ihr Handy in der Hand hält, da kann man ja wohl die Uhrzeit ablesen, grins.
Sie tippt nervös weiter auf dem Handy herum und nestelt zwischendurch in ihrer Tasche herum.
Nach weiteren 5 Minuten endlich ein weiterer Anruf. Muttern hat das fehlende Dokument wohl doch in der klemmenden Schublade gefunden. Erleichterung macht sich breit. Wieder verweist die Dame auf den schwachen Accu und beendet das Gespräch rasch, wenn auch sehr erleichtert. Den näheren Pendlern tut sie nervös kund: “Wenn einer eine Reise tut” im besten rheinisch, grins.
Der Pendler an sich scheut sich, direkt auf seine Mitpendler oder ausnahmsweise Urlaubern, einzugehen. Er schaut weg oder tut so, als schlafe er, haha.
Das schlimmste schien geschafft zu sein. Die Dame nimmt ihre zwischendurch abgelegte Brille wieder aus dem Etui, welche schon wieder in der Tasche verstaut war, und bemüht sich offensichtlich an einem Sudoku-Rätsel. Zumindest deuten der Zeigefinger der Hand darauf hin. Damit checkt sie die Zahlenreihen.
Als dann Frankfurt Süd angesagt wird, wird sie aber rasch wieder hektisch und fragt die Nachbarin, ob das schon der Hauptbahnhof sei. Beruhigt macht sie sich wieder an das Sudoku als ihr eine aufklärende Antwort entgegnet wurde.
Der Zug fährt so langsam in den Hauptbahnhof ein und alle Pendler ziehen die Reisverschlüsse hoch, drapieren den Schal etc.. Da, plötzlich registriert die Dame aus dem Rheinland es auch. Die Fahrt ist gleich zu Ende. Hektisch wie zuvor rafft sie all ihr Zeug zusammen und wuchtet alle Koffer in den Ausstiegsbereich. Da erst sehe ich, dass sie eine rote Skihose an hat und, nein, das glaube ich jetzt nicht, schwarze Absatz-Pumps. Stylisch völlig daneben, haha.
Schließlich helfe ich ihr noch den schweren Koffer auf den Bahnstein zu wuchten und wünsche im Gehen noch einen schönen Urlaub.
Eine kurzweilige Pendlerfahrt ist mal wieder vorüber, grins.
Anno 19. Januar 2009
Es ist Montag, der 19. Januar 2009, ein Tag nach der Wahl. Der Zug kam heute super pünktlich. Hessen funktioniert also auch nach der Wahl von Roland Koch. Vielleicht aus Verlegenheit oder weil das Volk einfach da weiter macht wo es aufgehört hat?!
Ich sitze heute in einem seltsamen Abteil. Es ist wohl für Körperbehinderte und Radfahrer hergerichtet worden. An beiden Türen ist je ein Lift eingebaut und es ist keine der doofen Schiebetüren vorhanden. Man kommt gleich in den Teil des Abteils, das erst mal zwei Reihen Klappsitze an den Seiten hat. Es sind jeweils 4 bevor die bekannten Vierersitze (die, bei denen man sich gegenüber sitzt) beginnen.
Mir gegenüber sitzt ein Pärchen. Er sitzt etwas schräg auf dem Sitz und hat das rechte Bein über das linke geschlagen – zur Freundin/Frau hin. Also scheint da tatsächlich Zuneigung zu bestehen. Hätte er das Bein zur anderen Seite hin überschlagen, wäre es zumindest bedenklich wie hoch die Symphatiewerte noch sind, grins.
Sie hält zwischen ihren gerade hingestellten Beinen eine rote Plastiktüte mit den Fingerspitzen fest. So hat sie noch genug Hand übrig, um das schwarze, längliche Portmonee zusätzlich festzuhalten. Sie ist also jederzeit bereit und vorbereitet falls der Zugbegleiter die Fahrscheine kontrollieren möchte. Ist aber noch alles ruhig.
Rechts neben mir sitzt ein junges Mädchen, noch 1 Jahr vom Teenager-Alter entfernt, würde ich schätzen. Sie lunzt ab und an auf meinen Laptop, findet es aber wohl nicht sehr spannend, was da so geschrieben wird.
Links neben dem Pärchen hockt ein Mann, der sofort nach dem Hinsetzen die Arme vor dem kleinen Bäuchlein verschränkt hat, die schwarze Umhängeaktentasche, die höchstens die Brotbüchse und ne artig gefaltete Bildzeitung in sich birgt, auf die Knie gestellt. Danach ist er sofort eingeschlafen und der Kopf hängt schon bedrohlich über der Aktentasche. Ab und an hebt er ihn leicht an, um ihn danach fix wieder in die Ausgangsstellung zurück pendeln zu lassen. Der Rest des Abteil liest Zeitung, Buch oder macht gar nichts, außer eben Zug fahren.
Hanau Hauptbahnhof wird angesagt und ein paar der Mitreisenden packen rasch zusammen und ziehen die Reißverschlüsse hoch. Der Schlafende ist auch ausgestiegen. Dann war der Schlaf wohl nicht allzu tief, grins. Das junge Ding rechts neben mir steht dann auf und setzt sich näher zu dem Pärchen. Aha, ich schließe daraus, dass es zu den Beiden gehört. Also ist hier eine Familie so früh morgens schon unterwegs. Wieso ist die Kleine nicht in der Schule? Sie unterhalten sich kurz und es muss so was wie russisch oder so sein. Dann kann sie hoffentlich ihren Eltern nicht erzählen, was ich mir da so erdreiste, haha.
Wir stehen immer noch in Hanau. Sollte es so sein, dass wir dem Fahrplan voraus sind und nun locker abwarten können, bis die Uhr wieder übereinstimmt? So muss es sein. Ah, es geht schon weiter. Das Pärchen gegenüber hat die Sitzposition bislang nicht verändert. Der Mann wird aber wohl doch langsam müde von dem monotonen Geschaukel und ist kurz davor, sein müdes Haupt mit den kurz geschorenen Haaren, auf die Schulter der Liebsten zu betten. Sie versteht dies aber geschickt zu verhindern, indem sie ihn immer mal wieder in ein kurzes Gespräch verwickelt. Es sieht es wohl ein und schlägt die Beine wieder auseinander. Schon sind die kleinen Äuglein zugefallen, haha. Bevor mir die meinen auch zufallen und das Schlepptop achtlos zu Boden fällt, klappe ich lieber mal zu und verstaue alles wieder ordentlich. Wir müssten auch gleich die Gefilde von Frankfurt erreicht haben.
Der Montag im Büro wäre geschafft. Ich sitze schon wieder im Zug und die Heimreise beginnt mit nur 4 Minuten Verspätung.
Der Versuch mich in den Hotspot von t-online bzw. t-mobile einzuloggen, schlug abermals fehl. Wahrscheinlich muss man sich direkt im Hauptbahnhof unter das Schild Hotspot hocken, damit der Empfang gut genug ist, nerv. Wo ich doch das große Paket vom Magenta-Anbieter habe und damit unbegrenzt über die Hotspots surfen könnte.
Naja, die Verbindung hätte sowieso nicht lange gehalten.
In Frankfurt Süd setzt sich doch prompt eine junge Frau neben mich. Wo die Plätze in den Doppelstockzügen sowieso schon so eng sind. Aaaahhhhh, meine negative Energie hat wohl ausgereicht, grins. Sie ist plötzlich aufgestanden und ist weiter gegangen. Prima, so muss ich meine Ärmchen nicht allzu eng an den Oberkörper quetschen und das Schreiben geht einigermaßen flüssig.
Hinter mir und vor mir sitzt jeweils ein Mensch, der Brotwerk oder gar dieses kalte Pizzazeug aus der Tüte isst. Das ganze freilich nicht sehr aufmerksam, da zusätzlich noch eine Zeitschrift gelesen wird. Man soll doch die Nahrung immer sehr bewusst einnehmen und nicht nebenbei! Naja, die werden eines Tages schon sehen, was sie davon haben. Magengeschwüre sollen ja hinter jeder Magenbiegung lauern, haha.
Jetzt muss ich die Arme doch in die Stellung bringen, die man in kleinen Charterflugzeugen auf dem Weg zu einer griechischen Insel oder nach Malle bei der Verköstigung einnehmen muss. Es hat sich nämlich schon wieder eine Frau neben mich platziert. Sie hat sofort einen Roman, den Titel konnte ich leider nicht sehen, aus dem Rucksack geglaubt und angefangen zu lesen.
Die Beiden „Aus der Tüte-Esser“ haben ihr karges Mahl mittlerweile beendet und die braune Tüten einer bekannten Großbäckerei in die kleinen Abfallbehälter gestopft.
Zu hause beim Abendessen sagen sie dann der geplagten Ehefrau, die sich abgerackert hat, rechtzeitig ein hübsches Abendessen auf den frisch abgewischten Esstisch zu zaubern, dass sie keinen Hunger hätten. Den genervten Blick einer solchen missachtenden Ehefrau kann ich mir nur zu gut vorstellen. Diverse Spitzen und Gehässigkeiten werden gegenseitig folgen. Der Abend wird dann wohl nicht sehr erbaulich für alle Beteiligten und der Mann wird tags drauf gleich wieder ein „to go Mahl“ mit in den Zug bringen.
Um diese Kette zu unterbrechen, muss entweder die Ehefrau gar kein Essen auf den Tisch bringen oder der liebe Gatte muss seinen Hunger bis zum gemeinsamen Abendessen aushalten. Hey ihr Männer, geniest es doch an einem schön gedeckten Tisch euer Aufschnittbrot mit einer kleinen Gurke und nem guten Kräutertee einzunehmen. Es muss nicht jeden Tag eine garstige Pizzaschnitte oder eine rasch fertig gebackenen Laugenbrezel sein, grins. Außerdem könnt ihr dann der lieben Ehegattin von eurem stressigen Tag im Büro berichten.
Vielleicht hängt das aber auch an der Routine? Ehepartner oder überhaupt Partner sollten sich hin und wieder fragen, wie man den Alltag eben nicht alltäglich macht. Vielleicht mal das Essen auf einem ausziehbaren Sofa drapieren und nen netten Actionfilm dazu in den DVD Player legen. Ihr Frauen glaubt ja gar nicht wie bereitwillig der Mann dann ins Brot beißt.
Vielleicht sind es aber auch diese ewigen Erwartungshaltung gegenseitig. Das ist ja das tödliche Gift einer jeder Beziehung.
Ich habe keine Erwartungshaltungen mehr. Meine Erwartungshaltung ist nämlich vor geraumer Zeit ausgezogen. So kann ich jeden Tag vor der Glotze das Abendessen in mich rein zittern, haha. Das heißt, ich konnte es bis vor kurzem. Seit mein Sohn wieder bei mir wohnt, muss ich freilich auch etwas mehr Struktur in die Nahrungsaufnahme bringen, grins. Dabei bleiben wir aber schön locker und entscheiden von Tag zu Tag. Aber jetzt mal im Ernst. Eine gemeinsame Mahlzeit am Tisch ist wirklich sehr erbaulich! Das meine ich nun wirklich im Ernst!!!
Ups, gleich kommt Wächtersdorf, muss mich sputen. Habe ja auch genug gelästert.
Das war am 20. Januar 2009
Uuuuuaaaahhhh, heute ist erst mal gar kein guter Tag, der Wecker klingelte viel zu früh und ich hätte fast verschlafen. Duschen, Frühstück machen, ne Tasse Kaffee ansaugen und schon musste ich einen Zug später fahren. Ist aber alles noch im Limit. Der nächstmögliche Regionalexpress kam pünktlich und ich habe einen netten Platz im Doppelstockzug. Das Ablagebrett rechts neben mir stört mich etwas, weil ich den Laptop etwas schräg auf die Oberschenkel positionieren muss. Wenn sich jetzt gleich jemand in Gelnhausen neben mich setzten will, werde ich das elektronische Schreibgerät wohl gleich zuklappen müssen. Bis jetzt sieht es gut aus. Jetzt nicht mehr. Und tschüß.
Es hatte sich ein Mann neben mich gesetzt und sogleich seine Financial Times
auseinander gefaltet. Ich packte mein Notebook wieder zusammen und sagte dem Finanzmensch neben mir, dass es gleich vorüber sei. Es war nur ein kurzes Zucken in seinem Mundwinkel zu entdecken. Für ein Lächeln oder gar ein Wort war es wohl noch zu früh?!
Ich hätte ja gerne weiter geschrieben, wo doch ein unendlich dicker Mensch gegenüber saß. Vielleicht gut, dass ich eingepackt hatte und dies jetzt erst in der Mittagspause aus dem Gedächtnis nachtrage. Der Dicke hat schon genug zu tragen, da werde ich nichts weiter mehr dazu schreiben. Vielleicht das er Glück hatte nicht für 2 Plätze bezahlen zu müssen. Die hatte er nämlich alleine belegt.
Heute ist ja auch die Amtseinführung von Barack Obama. Bin mal gespannt, ob da alles gut abläuft. Er hat schon ziemlich viele gute Ideen. Hoffentlich gelingt ihm das Eine oder Andere, dann würde es der Welt besser gehen. Besonders auf den Klimaschutz bin ich mal voller Erwartungshaltung. Bislang haben sich die Amis da ja fein raus gehalten.
Bin wieder auf der Heimfahrt. Die Amtseinführung von Herrn Obama dürfte jetzt unmittelbar bevorstehen.
Heute habe ich es endlich geschafft, mich in den Hotspot einzuloggen. Konnte sogar eine Testmail losschicken. Dies aber nur am Rande.
Das Abteil des Doppelstockwagons ist heute frisch gereinigt worden. Um die Füße der Sitze sind noch klein Pfützen sichtbar. Das Restwasser dürfte bei der Hitze, die schon wieder im Zug herrscht, schnell verdunstet sein.
Ich habe den Einzelplatz, eigentlich für Körperbehinderte vorgesehen, ergattert. So habe ich genügend Platz.
Mir gegenüber sind ein Fahrgast, der sich auf den Sitz zum Gang hin niedergelassen hat. Dort sitze ich eigentlich auch gerne, weil man da die größte Beinfreiheit hat. Das nutzt er auch zur Gänze aus. Obendrein hat er seine Tasche und Jacke auf den freien Sitz neben sich gestapelt. Das finde ich nicht in Ordnung. Falls jemand zu steigt, ist dieser genötigt zu Fragen: „Ist der Platz noch frei?“. Danach geht es genervtes zusammenpacken los. Das ist leicht zu vermeiden, wenn man seine Sachen eben nicht auf freie Plätze legt, wenn zu erwarten ist, dass der Zug voll wird. Ich mache mir manchmal den Spaß erst recht nach solch einem Platz zu fragen. Aha, jetzt geht es los. Der gepäckbelegte Platz wird dreist eingefordert. Richtig so. Eine freundliche junge Frau nimmt den Platz ein.
Ebenso unsinnig finde ich es, wenn Menschen sich bei den Zweiersitzen auf den äußern setzen und den Fensterplatz frei lassen. Wird dieser Platz nun eingefordert, muss der Andere sogar aufstehen um den Zugang zum Fensterplatz frei zu machen. So was hält den Betrieb nur auf.
Die nette junge Frau, die mir gegenüber sitzt liest in einem grünen Buch. Es heißt „Grabesgrün“???? Aha, deshalb ist der Umschlag wohl auch grün. Mir ist die nette junge Frau jetzt gar nicht mehr so grün. Es fröstelt mich gar ein wenig.
Die künstlichen Fingernägel, die weiße und bläuliche Schattierungen haben, wollen so gar nicht zum grünen Buch passen. Auch so eine Mode, mit der ich mich nicht anfreunden kann.
Frauen, die sich solche künstlichen , eleganten Fingernägel für viel Geld ankleben lassen, werden nie eine Arbeit im Garten übernehmen wollen. Eventuell sind sie ja bereit, Gartenhandschuhe anzuziehen, die freilich schnell durch die Langen Nägel ihren Geist aufgeben werden…..
Bin halt ein etwas altmodischer oder ich sage immer „klassischer“ Kerl.
Mittlerweile haben wir Hanau schon verlassen und es sind so viele Fahrgäste dazu gestiegen, dass sogar einige stehen müssen. Da bin ich schon froh, dass ich immer im Frankfurter Hauptbahnhof einsteigen kann, da sind immer noch ausreichend Plätze frei.
So, jetzt übermannt mich doch die Müdigkeit und packe das Notebook mal schnell weg. Noch 10 Minuten ein kleines Nickerchen. Ciao
Fast wie in der Muppetsshow
Mittwoch, 25. März 2009
Schräg gegenüber sitzt wieder der Kerl, der neulich schon mal lautstark mit seinem Handy telefoniert hat. Damals mit nem Headset, heute mit dem Handy am Ohr. Seit 10 Minuten quatscht der schon mit seiner Ex-Frau und seinen beiden Kindern. So hört es sich zumindest an. Da werden irgendwelche Termin über die kommenden Kids-Wochenenden ausgemacht etc. Ich frage mich, wenn das denn bitte interessiert, nerv. Soll er doch von zu Hause aus telefonieren. Er hat da aber gar keine Hemmungen.
Aua, da hat sich jetzt eine Kollegin von der Arbeit mir gegenüber hin gesetzt. Ich kenne sie nur vom sehen. Sie arbeitet glaube ich einen Stock tiefer. Da lasse ich jetzt aber besser die Finger von, grins.
Die Kollegin schläft rasch ein bzw. hat zumindest die Augen geschlossen. Das passt jetzt gut.
Dann warte ich halt bis Ffm. Süd oder Bad Offenbach. Wird sich schon noch jemand finden, kicher.
Der Handy-Telefonierer hat endlich seine Dauergespräche eingestellt und es kehrt Ruhe ins Abteil. Wie soll man sich denn sonst auch konzentrieren, ne.
In Ffm. Süd hat sich eine junge, zu dicke Frau auf den 3. Platz gesetzt. Findet sich aber wohl sehr attraktiv. Sie hat dunkle Haare mit roten Strähnen. Ne modische Brille, geschminkte Lippen und natürlich künstliche Fingernägel mit einem dunklen Blumenmuster, bääh.
Sie spielt an einem Gameboy. Der Gameboy ist türkis. Wem´s gefällt….
Sie hat einen relativ kleinen Mund aber dicke Lippen. Wenn es bei dem Gameboy-Spiel nicht richtig klappt spitzt sie die Lippen zu einer „Schnute“. Ich hoffe, den Begriff kennen alle?!
Die Haut der jungen Gamerin ist sehr blass und glatt. Irgendwie kommt mir da doch die Muppets Show in den Sinn. Gab es da nicht eine Freundin von Kermit dem Fliegentod? Zumindest hielt sie sich für seine Freundin. Wie war jetzt gleich der Name von dieser Freundin……ahhhh, genau, Miss Piggy. Genau, das trifft es ziemlich exakt.
Sie hat, genau wie die beiden Frauen gestern (Original und Kopie) eine braune Handtasche aus Baumwolle auf dem Schoß. Dann muss das die derzeit angezeigte Handtaschenmode sein. Werde es weiter im Auge behalten.

