Ich habe lange gezaudert, ob ich über den Tod meines Vaters Günter Knösch etwas schreiben soll aber nun habe ich den Entschluss gefasst und tue es einfach. Ich habe einen Blog und was eignet sich besser als ein Blog um seine Gedanken los zu werden. Wer das abstrus findet, der kann jetzt gerne weiter klicken.
Okay, wo fange ich an? Wohl mit dem Telefonanruf meiner Mutter. Meine Mutter rief mich am letzten Freitag an und sagte mir, dass mein Vater gestorben ist. Diesen Anruf konnte ich nicht wirklich verarbeiten. Ich zitterte am ganzen Körper und sagte meiner Mutter, dass ich komme. Aber das dauerte, da ich in Frankfurt am Main arbeite und es dauerte Stunden, bis ich endlich zunächst zu Hause wahr und dann bei meiner Mutter und meinem verstorbenen Vater ankam.
Zwischendurch ging mir alles oder gar nichts durch den Kopf. Ich hatte immer Angst vor diesem Moment, vor dem Anruf. Nun war es geschehen. Der Anruf kam und ich wusste, dass mein Vater tot ist. Auf der Fahrt nach Hause verdrängte ich vieles und konnte die Situation nicht wirklich erfassen. Ich versuchte meine Schwester zu erreichen, aber sie war auf einem Betriebsausflug in Koblenz. Meinen Neffen erreicht ich auch nicht. Er war auf einem Festival in Nürnberg.
Die Schwester in Koblenz und der Neffe in Nürnberg, so ein Mist aber das löste sich später auf.
Ich kam schließlich in Wächtersbach an und fuhr sofort in meinen Geburtsort nach Niedergründau.
Nun war der Moment da, vor dem ich mein Leben lang Angst hatte, ich sah mir meinen toten Vater an.
Mein Vater hatte einen schönen Tod, er legte sich abends ins Bett und wachte einfach nicht mehr auf. Wer wünscht sich nicht solch einen Tod?
Aber ich hatte Angst mir meinen toten Vater anzuschauen. Noch nie hatte ich einen Toten angeschaut. Nun musste es sein und es war gut.
Ich ging ins Schlafzimmer meiner Eltern und dort lag er, mein toter Vater. Auf einmal war alles gut und nicht mehr schlimm. Ich sah mir meinen Vater an und sah, dass er einen guten Abgang hatte. Obendrein hatte er ein “wie auch immer” schelmisches Lächeln auf dem Gesicht.
Er hatte seinen Willen. Er ging abends schlafen und wachte einfach nicht mehr auf. Das hatte er sich immer gewünscht und er hat es bekommen.
Ich muss dazu sagen, dass mein Vater seit 3 Jahren ein Dialyse-Patient war. Kein schönes Leben, drei mal die Woche für über 5 Stunden an dem Apparat der Blutwäsche zu hängen. Der Kreislauf baut ab und es macht keinen Spaß.
Mein Vater hatte im April seinen 80. Geburtstag gefeiert und es war eine schöne Feier. Danach konnte er noch ein schönes Konzert vom Musikverein genießen, für den er viel Zeit seines Lebens gewidmet hatte. Meine Schwester und ich spielten früher selbst in diesem Musikverein mit und es war stets ein Highlight für meinem Vater und meiner Mutter, wenn die Kinder ihre Auftritte hatte.
Nun war er tot.
Wie gesagt, als ich meinen Vater sah, war ich ruhig und gönnte ihm seinen schönen Tod. Für die Angehörigen als auch für mich war es freilich ein Schock. Der Vater, der immer da war, war nun nicht mehr da.
Nun begann das Prozedere, das niemand wirklich braucht. Der Hausarzt musste den Todesschein ausstellen. Die Pietät musste verständigt werden etc.. Vieles automatisiert sich dabei.
Ok, der Vater war tot und es musste der nächste Schritt gegangen werden. Die Beerdigung musste tagsdrauf organisiert werden. Welche Zeitungsanzeige, welche Kränze, Blumenschalen, welche Sprüche auf den Kränzen und Blumenschalen…..
Auch das bringt man hinter sich……
Dann kam gestern der Tag der Beerdigung. Das Wetter war nicht das beste. Viele Menschen kam in die Bergkirche von Niedergründau. Es waren Nachbarn, Freunde und Mitglieder vom Musikverein, der Niedergründauer Musik- und Vogelschutzvereinigung und sonstige Menschen, die sich von meinem Vater verabschieden wollten.
Der kirchliche Teil war angemessen aber das Herz wurde für mich erst durch die Rede von Axel Schmitt vom Musikverein geöffnet. Axel hatte die Gabe alles genau auf den Punkt zu bringen. Mein Vater hatte viel Freizeit für den Verein geopfert, auch noch dann als die eigenen Kinder nicht mehr das Saxophon oder die Trommel spielten. Mein Vater war stets zur Stelle und leistete die Arbeit, die nötig ist, damit ein Verein bestehen kann. Als Dank für den Einsatz meines Vaters sollte das Lied “Ich hatt einen Kameraden” als Abschluss folgen…
Danach spielte der Dirigent des Musikvereins, Ralf Schmitt, das Lied “Ich hatte einen Kameraden” auf dem Waldhorn in der Bergkirche. Es war ein Erlebnis der besonderen Art. Bislang war ich noch recht gefasst aber als ich das Lied hörte, kamen mir unwillkürlich die Tränen und wohl nicht nur mir.
Ich danke an dieser Stelle dem NMVV für seinen Einsatz!
So, nun war die Trauerfeier in der Bergkirche vorüber und die Trauergemeinde ging hinter dem Sarg zum nahen Friedhof. Aber als die Kirche verlassen wurde, musste ich feststellen, dass es regnete und das nicht zu knapp.
Aber es wurde unterwegs zur Grabstelle immer heftiger. Der Himmel öffnete seine Pforten und entließ jede Menge Regen. Am Grab angekommen gab es obendrein noch Blitz und Donner. Die meisten Trauergäste wurden langsam aber sicher bis auf die Haut durchnässt.
Die Ansprache der Pfarrerin am Grab fiel recht kurz aus. klar, sie wollte nicht noch nasser werden. Die Kondulenz am Grab fand dennoch in einer würdigen Weise statt. Das Wetter wurde aber immer schlimmer. Es regnete sintflutartig und sogar in den Gazetten konnte man lesen, welchen Schaden diese Gewitter angerichtet hatten.
Der Himmel weinte als mein Vater beerdigt wurde und nun denken viele vielleicht – Schade!. Nein!!!
Nun komme ich zum zweiten Teil der Überschrift: Die Eigendynamik einer Beerdigung.
Mein Vater war keiner, der stets im Mittelpunkt stand, dennoch mochte er einen starken Auftritt. Den hatte er genau mit diesem heftigen Gewitter, anlässlich seiner Beerdigung. Es hat ihm sicherlich gefallen, dass alle Trauergäste bis auf die Haut nass wurden und alle rasch nach dem Ende der Zeremonie das Weite suchten. Es war genau im Sinne meines Vaters.
Aber sogar der Tag seines Ablebens war ganz nach seinem Sinne. Wir bereits zu Anfang ausgeführt, war seine Tochter, meine Schwester, in Koblenz auf einem Betriebsausflug und mein Neffe war in Nürnberg auf einem Festival.
Beide traten sofort die Rückreise an, als sie vom Tod des Vaters bzw. des Opas erfuhren. Aber auch das war im Sinne meines Vaters. Er hat es sicher gemocht, dass alle aus ihrem Rhythmus gerissen wurden, weil er gestorben war. Er hatte es immer gerne, wenn alle wegen ihm da waren. Sei es, um Gartenarbeiten zu erledigen oder dass sonstige Gefälligkeiten geleistet werden sollten.
Fazit: Wenn der Vater stirbt oder sonst ein Angehöriger, dann schaut genau hin, wenn der erste Schmerz vorüber ist. Der Tod hat seine eigene Struktur und der Verstorbene hat wohl seinen Abgang gut geplant auch wenn er es vorher nicht wusste.
Achtet auf Besonderheiten, die nach dem Tod geschehen. Es geschehen oft Dinge, die man nicht wirklich erklären kann. Achtet darauf und freut euch an diesen sonderbaren Geschehnissen. Die Seele oder was auch immer des Verstorbenen ist einige Zeit unterwegs und hinterlässt oftmals einen Gruß, den man vielleicht erst später versteht.
Ich danke hier meinem Vater, dass er stets für mich da war. Für mich war er der beste Vater aller Zeiten. Er hatte natürlich seine Stärken und Schwächen. Es war auch nicht immer einfach mit ihm aber letztendlich bin ich froh und stolz darauf, dass ich genau diesen, MEINEN, Vater hatte. Im Nachhinein hat er mir jede Menge an Werten weiter gegeben und dafür bin ich sehr dankbar.
Jeder wird früher oder später mit dem Tod eines Angehörigen konfrontiert. Dafür ist auch dieser Artikel gedacht. Der Tag wird kommen aber es muss kein schrecklicher Tag bleiben, es kann ein Tag sein, wo man Danken kann und dem Vater oder wem auch immer, den würdigen Tod einfach gönnt und den Vater dankend verabschiedet.
Dies ist freilich nur meine Betrachtungsweise. Viele werden anderes erlebt haben. Viele Menschen haben eine lange Leidensphase hinter sich, bevor sie sterben und für die Angehörigen ist dies nicht sehr einfach zu händeln.
Ich danke hier aber meinem Vater, dass er mein Vater war und mir immer dann geholfen hat, als ich nicht damit gerechnet hatte!!!
Diese Gedanken habe ich einfach aus dem Bauch heraus geschrieben. Es gäbe vielleicht noch viel mehr zu schreiben aber es ist wie es ist. Wer mag kann gerne seine Eindrücke über den Tod in einem Kommentar hinterlassen…….



