Gesellschaft

Von Online-Dating zu Ghost-Dating, und was wird danach kommen?

Nadine kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und mal wieder stundenlang mit Sven online zu quatschen. Selten hat sie sich so gut mit jemandem verstanden und sie würde ihn am liebsten sofort persönlich kennenlernen. Was sie aber nicht weiß: ihr Online-Date heißt eigentlich Kathrin und schreibt in Svens Auftrag.

Vielleicht ist Sven zu schüchtern oder aber er hat einfach nicht die Zeit, sich jeden Abend durch unzählige Single-Profile durchzuarbeiten, also hat er einfach einen sogenannten Ghost-Dater engagiert.

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Der Begriff Online-Dating ist mittlerweile allen bekannt, die Erschaffung der ersten Singlebörsen ist ja auch schon 20 Jahre her. Am Anfang wurden diese meistens mit der Absicht benutzt, Freundschaften und romantische Beziehungen zu knüpfen. Später wurden auch Seiten eingeführt, auf denen man direkt nach einer Affäre sucht, also ausschließlich sexuelle Kontakte ausbauen will. Das Prinzip ist jedoch immer dasselbe. Man schaut sich die Profile von anderen Personen an, schreibt sie an und hofft, dass es dann auch zu einem Treffen kommen wird. Aber auch das hat sich inzwischen geändert.

Der neue Trend des Ghost-Datings geht nämlich noch einen Schritt weiter als normale Online-Dating-Portale: der Ghost-Dater gibt sich als potenzieller Single aus, erstellt gegen Bezahlung ein Dating-Profil, verfasst Nachrichten und engagiert Treffen mit anderen Singles (bei einigen Agenturen sind diese Treffen sogar garantiert). Wer also auf der Suche nach der großen Liebe oder einem spannenden Seitensprung ist und nicht zu viel Zeit investieren möchte, ist mit dieser neuen Dating-Methode gut beraten. Es werden verschiedene Pakete angeboten, die von dem Erstellen des Single-Profils und erster Kontaktaufnahme mit anderen Singles bis hin zur professionellen Vorbereitung auf ein erstes Treffen reichen. Jeder muss also selbst entscheiden, inwieweit er seinem Glück auf die Sprünge helfen möchte.

Viele fürchten sich zudem vor Zurückweisungen und Enttäuschungen, denn man kann ja nicht mit jedem auf einer Wellenlänge liegen. Und vielleicht genau hier könnte das Problem liegen: gerade in der ersten Kennenlernphase merkt man oft, ob man sich mit seinem Gegenüber wohl fühlt, sich versteht und einiges gemein hat. Diese Phase wird mit einem Ghost-Dater einfach übersprungen. Zwar geben einige Agenturen bekannt, wenn man mit einem Mittelsmann flirtet, ob sich das dann aber immer positiv auf ein neues Date auswirkt, ist ungewiss. Wer schon zu beschäftigt oder womöglich zu faul ist, ein paar Nachrichten am Tag zu schreiben, der könnte womöglich auch im wirklichen Leben wenig Zeit für den Partner haben.

Die Online-Dating-Portale weiten ständig ihr Angebot aus, von lediglich online stattfindenden Kommunikationen bieten sie nun auch Offline-Treffen für mehrere Nutzer, die zueinander passen könnten, an, sie engagieren Personen, die für die Nutzer flirten sollen… Und wer weiß, vielleicht wird es ja irgendwann spezielle Programme geben, die uns automatisch den perfekten Partner zuweisen, dann können wir direkt ohne Umwege zum Traualtar gehen. Ob wir das dann gegen die Schmetterlinge im Bauch, wenn wir das erste Mal unserer großen Liebe tief in die Augen blicken, eintauschen wollen, bleibt fraglich.

veröffentlicht von Jürgen Knösch, am 17. September 2014