Internet
27. Juni 2012

Fremdsprachiges Twitter-Marketing – 140 Zeichen Expansion

Können 140 Zeichen die Expansion eines Unternehmens ins Ausland beflügeln? Dank Twitter ist so etwas durchaus möglich. Das soziale Netzwerk, das seinen Nutzern 140 Zeichen pro Nachricht gestattet, zählt in vielen Ländern der Welt zu den größten sozialen Netzwerken. Daher sind die Chancen vielerorts nicht schlecht, Twitter auch für fremdsprachiges Marketing zu nutzen, um etwa Kontakte mit potenziellen Kunden in fremden Ländern zu knüpfen. Wichtig sind jedoch eine sorgfältige Analyse der Chancen und ein planvolles Social Media Marketing, das die fremde Sprache ebenso berücksichtigt wie die fremde Kultur.

Ein paar Zahlen zu Twitter

Twitter selbst nannte als Zahl aktiver Twitter-Nutzer auf dem Unternehmensblog im März 2012 140 Millionen weltweit. Es gibt 340 Millionen Tweets pro Tag, schrieb das Unternehmen. Das hat natürlich erst einmal nur bedingte Aussagekraft. Wer als Unternehmer plant, mit Twitter potenzielle Kunden in einem fremden Land zu erreichen, muss sich die Daten zur dortigen Twitter-Nutzung ansehen. Eine gute erste Recherchequelle für die Bedeutung von Twitter in verschiedenen Ländern ist der Blog des Italieners Vincenzo Cosenza, der regelmäßig eine Social Media Weltkarte veröffentlicht. Es verwundert kaum, Facebook auf dieser Karte fast immer auf Platz 1 zu sehen. Twitter belegt jedoch oftmals die Plätze 2 und 3 im Trio der wichtigsten Social Media Plattformen.

  • Platz 3 belegt Twitter etwa in den von Vincenzo Cosenza aufgeführten Ländern Australien, Finnland, Italien, Kanada, Niederlande, Norwegen und Österreich.
  • Platz 2 erreicht Twitter in Großbritannien, Japan, Schweden und den USA.

Wie wichtig die Recherche nach der Bedeutung von Twitter im Land ist, in dem man Konsumenten über Twitter erreichen möchte, zeigen beispielsweise Zahlen aus dem arabischen Raum. Der Anteil der Bevölkerung, der regelmäßig Twitter nutzt, liegt etwa in Kuwait laut Arab Social Media Report aktuell bei etwa 8,13 Prozent und in Bahrain immerhin bei 4,28 Prozent. Im Sudan erreicht Twitter dagegen laut derselben Quelle nur 0,01 Prozent der Bevölkerung. Dort scheint eine Twitter-Nutzung also nur bedingt Erfolge zu versprechen. Generelle Zahlen zur Nutzung von Microblogging-Diensten wie Twitter in verschiedenen Ländern bietet auch die die Universal McCann Studie Wave 6. „Haben Sie in den letzten sechs Monaten Microblogging-Dienste genutzt?“ hieß die Frage. Eine starke Nutzung zeigte sich dabei etwa in Großbritannien (62,9%), Brasilien (47,6%) und Indien (42,9%). Eher niedrig war sie im Ländervergleich in Frankreich (12,2%).

Mögliche Vorteile von Unternehmen

Twitter wirbt bei Unternehmern selbst damit für eine Twitter-Nutzung, dass die Plattform Unternehmen in Echtzeit mit Kunden verbindet. Twitter gilt tatsächlich als sehr viel schneller bei der Verbreitung von Neuigkeiten als etwa Facebook. Im günstigsten Fall eignet sich Twitter damit besonders gut, fürs Marketing relevante Informationen schnell in der fremdsprachigen Zielgruppe zu verbreiten. Mögliche Ziele eines Unternehmens können dabei sein:

  • Das Unternehmen und seine Marke(n) bei der Zielgruppe bekannt zu machen.
  • Die potenzielle Zielgruppe intensiver kennen zu lernen.
  • In aktive Kommunikation mit der potenziellen Zielgruppe einzutreten und so Beziehungen aufzubauen.
  • Leads und Umsätze zu generieren.

Mit geschickter Strategie können Unternehmen durch fremdsprachige Tweets eins oder mehrere dieser Ziele realisieren und ihre Zielgruppe dadurch deutlich vergrößern. Allerdings darf die fremdsprachige Twitter-Nutzung dabei nicht alleine stehen. Das heißt: Wer online in einen fremden Sprachraum expandieren möchte, sollte auch eine passend lokalisierte Website in der jeweiligen Sprache im Internet etablieren, sollte SEO-Maßnahmen ergreifen, um in der jeweiligen Sprache in relevanten Suchmaschinen präsent zu sein, und sollte Website, SEO und Twitter-Nutzung in eine Komplettstrategie einbinden, bei der die einzelnen Teile optimal aufeinander abgestimmt sind.

Sprache und Know-how sind Trumpf bei Twitter-Marketing

Sprachliche Kompetenz ist für Twitter-Marketing extrem wichtig. Tweets sollte man in der jeweiligen Landessprache verfassen, weil man damit in der Regel am ehesten viele Twitter-Nutzer des Landes erreicht. Englischsprachige Tweets für Zielgruppen aus Ländern, in denen Englisch nicht Muttersprache ist, sind meist die schlechtere Wahl. Diejenigen, die für die fremdsprachigen Tweets verantwortlich sind, sollten daher in der jeweiligen Sprache Zuhause sein und sie perfekt beherrschen. Tweets voller sprachlicher Fehler sind ein schlechtes Aushängeschild für ein Unternehmen.

Zwei weitere wichtige Dinge kommen hinzu: Kenntnisse über die Kultur des Landes, in der die Zielgruppe lebt, und generelle Kenntnisse über Regeln des Social Media Marketings. Social Media Marketing ist auch auf Twitter ein Dialog, bei dem es nicht ausreicht, einfach nur irgendwelche Tweets in Umlauf zu bringen. Man muss auf Reaktionen von Followern wiederum reagieren, den Austausch und die Beziehung mit ihnen pflegen, damit Twitter-Marketing Erfolge zeigt. Wiederum sind dazu einerseits Sprachkenntnisse wichtig, um auf Nachrichten von Followern schnell und mit passenden Worten zu reagieren. Gleichzeitig bedarf es aber auch einer gehörigen Portion Sensibilität, um stets die richtigen 140 Zeichen für eine gelungene Kommunikation zu finden. Diese Sensibilität kann nur derjenige beweisen, der auch in der Kultur des jeweiligen Landes Zuhause ist.

Jedes Land definiert eigene kulturelle Regeln, was in einer Kommunikation angebracht oder eher unangebracht, vielleicht auf interessante Weise provozierend oder bereits beleidigend, leicht erotisch oder bereits obszön ist. Fürs fremdsprachige Twitter Marketing sollte man solche Regeln kennen, um die Gefahr eines Shitstorms zu minimieren. Und man sollte feste Teams oder zumindest einen Mitarbeiter fürs fremdsprachige Marketing auf Twitter abstellen. Social Media Marketing ist definitiv keine Aufgabe, die man in kurzen freien Zeiten zwischendurch erledigen kann: Das gilt auf Twitter ebenso wie auf allen anderen Social Media Netzwerken. Und es gilt noch ein kleines bisschen mehr, wenn man fremdsprachig auf Twitter unterwegs ist. Wer Erfolg möchte, muss etwas Zeit investieren.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das professionelle Übersetzungen anbietet. Folge Christian auf Twitter unter @l24de.

(Christian Arno)

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